AXUM Empire

 

COHAITO (Quohaito / Kohaito)

Kurzzusammenfassung: Cohaito war die zweitwichtigste Stadt neben Axum im axumitischen Reich und ebenso Königsstadt. Hier herrschten die Könige. Cohaito blühte zwischen dem 6. und 8. nachchristlichen Jahrhundert auf. Bei Cohaito finden sich auch Felszeichnungen.

 

Lokalisation: Cohaito liegt abgelegen ca. 15 Kilometer südostöstlich von Adi Keih (Adi-Keyh) auf einem Hochplateau. Von der nächsten geteerten Straße ist Cohaito ca. 10 Kilometer entfernt.

 

Wegbeschreibung: Von der Hauptstadt Eritreas, Asmara, aus, ist Cohaito in ein oder zwei Tagen zu erreichen. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln muß mit zwei Tagen gerechnet werden. Mit dem Überlandbus erreicht man Adi Keih von Asmara aus in wenigen Stunden. Von Adi Keih nimmt man sich einen der Minibusse (4 Birr = ca. 4 Nakfa) nach Senafe (Sen�afe) und steigt nach ca. 10 oder 11 Kilometern bei der beschilderten Abzweigung nach Cohaito auf der linken Seite aus. Ebenso kann man von Senafe aus einen Minibus nach Adi Keih nehmen. Von der Abzweigung aus bleibt einem nichts weiteres übrig, als die restlichen zehn Kilometer auf dem Hochplateau zu Fuß zu gehen. Es sei denn, man ist motorisiert. Nach ca. zwei Stunden Fußmarsch (ich brauchte genau eine Stunde und 50 Minuten) erreicht man rechterhand das Ruinengelände von Cohaito. Erkennbar wird Cohaito durch keinerlei Schild, sondern durch den rechts liegenden Teich, der eigentlich der historische Damm von Cohaito ist (siehe Bild 8 von Cohaito). Desweiteren stehen noch ein paar Häuser. Unterhalb des Dammes bzw. das ganze rechte Gebiet neben dem Weg darf als historisches Cohaito gelten. Ich schätze die Ausmaße auf ca. zwei Quadratkilometer. Um sich in den spärlich gesäten Überbleibsel zurecht zu finden benötigt man einen Führer oder den Wächter der Anlage, der einem alles zeigt und die Gatter aufsperrt. Der ältere Wächter spricht nur tigriane und einwenig italienisch und arabisch. Der Rückweg erfolgt wie anfangs. Die ersten zehn Kilometer zu Fuß bis zur geteerten Straße zwischen Adi Keih und Sen�afe. Von hier aus muß man darauf hoffen, ein vorbeikommenden Kraftwagen stoppen zu können, der einen mitnimmt nach Adi Keih (ca. 10 km) oder Sen�afe (ca. 15 km). Für die Besichtigung zu Fuß sollte man zwei Stunden einplanen, sowie vier Stunden für den Hin- und Rückmarsch zur Straße (und evtl. weitere zwei Stunden, um notfalls nach Adi Keih zurücklaufen zu können), d. h. nehmen Sie sich einen ganzen Tag Zeit!

Sie können Cohaito zu Fuß auch direkt von Adi Keih erreichen. Dazu benötigen Sie aber einen Führer. Diese Wegstrecke ist einfach 15 Kilometer lang.

 

Führer: Wenn Sie Adi-Keyh als Ausgangspunkt für Touren in die historische Umgebung nehmen, können Sie sich einen Führer zulegen. Fragen Sie dazu im einst staatlichen Adi-Keyh Hotel nach. Wenn Sie planen einen Führer für Cohaito zu wählen, lohnt sich das gewiß. Handeln Sie den Preis pro Tour aus! Verhandlungsbasis war �97 ca. 150 Birr (ca. 38 DM). Wenn Sie den Führer aber hinhalten, können Sie ihn bis auf 50 Birr (ca. 13 DM) herunterhandeln.

 

Besuchsgenehmigung: Offiziell ist eine Erlaubnis für den Besuch von Cohaito einzuholen (siehe auch Axum Empire Homepage), die Vorort vorzulegen ist, d. h. einem der beiden Wächter. Ohne Permission wird man abgewiesen!

Unterkunft & Versorgung: Unter Umständen ist es vielleicht gestattet, vor Ort zu kampieren. Ohne weiteres empfiehlt sich Adi Keih mit seinen Hotels und Gaststätten (auch wenn das Angebot nicht sehr reichlich ist), als Ausgangspunkt für den Besuch von Toconda, Haneba, Cohaito und evtl. auch Cascase.

Fließend Wasser ist vorhanden. Elektrischer Strom liefert ein zentraler Dieselgenerator in der Stadt für die Abendstunden.

 

TIP: Adi Keih liegt östlich am Rande eines Hochplateaus. Von der Abbruchkante aus hat man eine herrliche Aussicht auf ein grünes Tal mit einem Bächlein und einem der wenigen Wälder in Ostafrika. Der Blick reicht bis zum Plateauberg bei Senafe im Süden. Auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich ein weiteres Plateau, auf dem Cohaito, südostöstlich von Adi-Keyh liegt.

Wenn Sie Cohaito im September besuchen, zum Ende der Regenzeit, können Sie miterleben, wie die Kakteenpflanzen auf der Hochebene blühen.

Sollten Sie nach Cohaito marschieren müssen, sorgen Sie für ausreichenden Sonnenschutz, der Höhensonne wegen!

 

Das Ruinengelände von Cohaito

Die Reste sind unscheinbar. Fast wäre ich am Ruinengelände vorbeimarschiert. Als erstes stößt man auf den axumitischen Damm, der auch heute noch genutzt wird (siehe Bild 8 von Cohaito). Er bewässert die tiefer liegenden Felder, aus denen die Steine von Cohaito aufragen. An fünf Stellen, verteilt auf dem ganzen Areal, ragen klassisch axumitische Stelen auf leichten Bodenerhebungen empor (siehe Bild 7 von Cohaito). Einst trugen sie die Baldachin der Throne. Das sind die Überreste der Palastanlagen der Könige. Die eindrucksvollsten Säulen (bekannt auch als Postkartenmotiv) thronen über dem Gebiet (siehe Bild 1 von Cohaito). Eine der Säule trägt noch das Kopfstück. Insgesamt stehen noch vier Säulen, die anderen zwei (oder vier?) liegen umgeworfen am Boden (siehe Bild 3 von Cohaito). Die Schriftzeichen auf den Säulen sind jüngeren Ursprungs. Von den fünf Säulenplätzen sind die meisten Steine gefallen oder nur noch bruchstückhaft vorhanden (siehe Bild 2 von Cohaito). Grundmauern sind kaum erhalten geblieben (siehe Bild 6 von Cohaito). Spuren davon sind aber noch zu sehen (siehe Bild 4 von Cohaito). Insbesondere bei den Bodenerhebungen, ist zu erkenne, das sie gemauert sind. Diese Hügelchen klingen auch hohl. Mögen Sie etwas verbergen? Leider fehlt es auch hier an archäologischen Ausgrabungen, um näheres aussagen zu können. Auf dem Gebiet von Cohaito finden sich viele schwarze Tonscherben mit simplen Ritzungen und ganze Mahlsteine für den Hausgebrauch. Ganz ähnlich wie heute noch daheim in Eritrea Hirse gemahlen wird. Von Wohnhäusern der einstigen Einwohner ist nichts mehr geblieben. Vermutlich wurden sie nichtmal in Stein gebaut, wie dies in Matara der Fall war.

Das Ruinengelände wird durch einen kleinen Canyon durchbrochen. Ich sage absichtlich Canyon, den die Bezeichnung Wadi kommt dem nicht nahe. Mehrere Meter tief verklüftet sich der Fels in die Tiefe und Seite. Um die restlichen Ruinen von Cohaito aufsuchen zu können muß der Canyon durchklettert werden. Ansonsten läuft man mehrere Kilometer darum herum. In diesem verklüfteten mit Höhlen durchzogenen Canyon findet man mit der Hilfe eines Führers weiter abseits Felszeichnungen. Auf der anderen Seite des Canyon liegt nahe der Abbruchkante ein axumitisches Grab (siehe Bild 5 von Cohaito). Mit ein bißchen Geschick läßt sich hineinklettern. In den gewachsen Felsen wurde eine rechteckige Kammer geschlagen und mit Steinen ausgearbeitet. Im Inneren findet sich eine Tatzenkreuz, woraus sich schließen läßt, das das Grab aus christlicher Zeit (also nach 400 n. Chr.) erbaut wurde. Der Bestatte war nicht mehr jüdischen Glaubens (wie es heute noch die Falaschas sind). An dem Grab wird wieder die axumitische Bauweise sichtbar: Die umgebenden Mauern sind nach außen hin formschön und glatt gearbeitet, während das Innere des Gemäuers aus Bruchsteinen besteht. Nicht einmal die außen so schönen glatten Steine sind innenseitig weiterbearbeitet. Das läßt auf ein nutzorientierte Bauweise schließen.

 

(c) by Böck