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Oaxaca


Tja, und dann gings erstmals mit dem Bus los... ein Verkehrsmittel, das man in Mexico wirklich weiterempfehlen kann. In jeder größeren Stadt gibt es Busterminals, die Tickets sind ziemlich günstig und die Busse sehr bequem, sofern man sich den geringen Aufpreis für erste Klasse leistet. Und in jedem Bus gibt es Video! Man kommt allerdings ohnehin fast nicht zum zusehen, weil draußen vor dem Fenster meistens eine ziemlich grandiose Landschaft vorbeizieht...
Und auf die sind die Mexikaner auch entsprechend stolz. So ist ein Busfahrer extra für mich von der Autobahn (!) auf einen Parkplatz abgefahren, nur damit ich den Popocatepetl und den Ixtaxicuatl (die zwei Hausvulkane Mexico Cities) besser fotographieren kann. Busfahrer sind in Mexico ohnehin ein ganz spezielles Kapitel... Da kann es schon mal sein, daß der Bus fast von der Straße abkommt, weil der Fahrer gerade die Brille polieren muß. Da kann es auch durchaus vorkommen, daß ein Bus den anderen trotz Sperrlinie und unübersichtlicher Stelle überholt. Trotzdem passiert nur sehr selten was...
Oaxaca kam uns dann trotz seiner immerhin 220.000 Einwohner nach Mexico City (ca.20 Millionen Einwohner) wie ein Dorf vor. Vielleicht liegt das auch daran, daß es in ganz Oaxaca kein einziges Hochhaus und kaum ein modernes Gebäude gibt. Alles ist noch im alten Kolonialstil erhalten.
Und so stehen überall bunte, leicht verfallene alte Gebäude mit wunderschönen schmiedeeisernen Gittern und schaffen eine ganz eigene, ziemlich gemütliche Stimmung. Besonders sehenswert ist vor allem auch der Hauptplatz, der ein einziger Park mit einem großen (schmiedeeisernen, was sonst...) Pavillion ist. Hier kann man stundenlang im Schatten auf einer der zahlreichen Bänke sitzen und den Leuten zusehen... oder auch Schach spielen oder ein im Supermarkt gekauftes Frühstück verspeisen... zum Beispiel...
Rund um den Hauptplatz befinden sich Arkadengänge mit Cafes und Restaurants, in denen am Abend Musiker von Tisch zu Tisch ziehen oder Luftballonverkäufer wahre Ungetüme von Luftballons verkaufen. An seiner vierten Seite grenzt die Kathedrale von Oaxaca an den Hauptplatz. Ein Gebilde, bei dem man seit 1553 immer wieder mal ein Eck dazugebaut hat und das auch so aussieht... ein wüste Mischung verschiedener Stile...
Und wenn es dann Abend wird in Oaxaca scheint es, als würde alles, was noch irgendwie gehen kann, auf die Straßen strömen um dort zu feiern, diskutieren, spazieren, spielen, oder einzukaufen. Das, was man rechts hier sieht ist auch nicht etwa Touristenkitsch, sondern Standardausrüstung für den Nationalfeiertag... Touristen gibt es hier in Oaxaca nämlich (Gott sei Dank) noch sehr wenige!

Monte Alban


Von Oaxaca aus geht es mit einem klapprigen Bus über eine Schotterstraße höher und höher. Vorbei an sehr einfachen Häuser erreicht man schließlich ein relativ modernes Besucherzentrum mit einer kleinen Ausstellung. Unvergessen eine ausgestopfte Darstellung der heimischen Tierwelt, die "Wilden Kreaturen" alle Ehre macht. Da fletschen Zwergmäuse wütend die Zähne und Eichhörnchen rollen angriffslustig die Augen...
Das Besucherzentrum hinter sich lassend sieht man zuerst nur ein paar grüne Hügel, nicht mehr. Fast schon etwas enttäuscht klettert man halt doch noch weiter in die Höhe, doch dann bietet sich einem ein atemberaubender Anblick: Da war es tatsächlich jemandem (den Zapoteken) nicht zu dumm, einen ganzen Berggipfel abzutragen und abzuflachen, um darauf eine riesige (und den Göttern SEHR nahe) Tempelanlage zu errichten. Vielleicht hat ihnen aber auch nur einfach die wunderschöne Aussicht gefallen.
Die ersten Spuren von Besiedelung in Monte Alban stammen von 800 bis 400 v.Chr., ihren Höhepunkt erlebte die Stadt aber etwa 300 bis 700 AD. Dabei muss man sich klar sein, daß das heutige Monte Alban gewissermassen nur noch die Spitze des Eisberges ist, denn heute sieht man nur mehr das aus Stein erbaute religiöse Zentrum der einstigen Großstadt.
Rings um die heutigen Ruinen finden angeblich tagtäglich Bauern uralte Tonscherben und Werkzeuge in ihren Feldern. Der Hauptteil von Monte Alban bestand sehr wahrscheinlich aus Holzhütten, von denen man heute kaum noch Spuren findet. Berühmt sind heute neben der grandiosen Lage hauptsächlich die Danzantes, die Darstellungen tanzender Krieger.
In Monte Alban sahen wir auch das erste mal etwas, was uns später in den Maya-Ruinen Yucatans noch viel öfter unterkommen sollte: einen  Ballspielplatz. Darf man den Histroikern glauben, so stellte dieses Spiel eine religiöse Zeremonie dar, bei welcher der Ball die Sonne symbolisierte und nicht zu Boden fallen durfte (gemeinerweise durfte wahrscheinlich  nur mit den Ellenbogen gespielt werden...). Zwei Mannschaften traten gegen einander an, anschließend wurden entweder die Sieger (als Ehrerbietung) oder die Verlierer (zur Sühne) den Göttern geopfert...
Nach dem großartigen, aber fast völlig kahlen und verdörrten Teotihuacan faszinierte uns Monte Alban vor allem auch durch das viele Grün. Es war zwar mörderisch heiß (wir holten uns DURCH ein vorsichtshalber angezogenes Langarmshirt einen ziemlichen Sonnenbrand), aber trotzdem blühte alles. Besonders interessant die Agaven, auf den ersten Blick fast kohlkopf- oder salatartige Gewächse auf dem Boden (zumindest die dort vorkommende Art...), die aber zur Blüte eine dramatische Veränderung erfahren.
Dann wächst nämlich aus dem "Salat" plötzlich eine sicher zweieinhalb Meter hohe Blüte empor! Faszinierend auch, daß aus einer Art Agaven der Tequila gewonnen wird! DAS also kommt da immer in meine Cocktails!

Seite zuletzt bearbeitet am  10.1.2000 von Christian