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Yaxchilan


Neben der Ruinenstätte gibt es in Palenque eine mittlererweile gar nicht einmal so kleine Ortschaft, die allerdings fast nur aus Reisebüros und Handwerksbetrieben besteht, die "authentische" Maya-Kunst produzieren. Ach ja, Hotels gibt es natürlich auch noch einige und selbstverständlich auch Restaurants... und einige Touristen, auch wenn der Hauptstrom Mitte September schon versiegt zu sein scheint. Nach Palenque kommt man nämlich auch, um Ausflüge zu den Ausgrabungen in Guatemala (zB. Tikal), oder an der Grenze zu Guatemala (Yaxchilan und Bonampak) zu machen... 
Letztere waren auch unser Ziel! Nach reiflichen Überlegungen (wo gibts das am billigsten) buchten wir dann eine zweitägige Reise mit Übernachtung im Dschungel, und wurden zu noch nachtschlafener Stunde  (genauer gesagt um 6 Uhr Morgens...) von unserem Hotel mit einem etwas klapprigen und ziemlich alten VW-Bus abgeholt.
Und dann gings zur guatemaltekischen Grenze, durch mehrere Militärkontrollen, wo wir alle (also der Fahrer, 4 Deutsche, 2 Holländer, ein unheimlich obergscheiter, eingebildeter und eitler Spanier, Bernhard und ich) aussteigen mußten, der Wagen nach Waffen gefilzt wurde und ein offenkundig des Deutschen nicht mächtiger Soldat mit ernster und wichtiger Miene unsere Pässe studierte... Schließlich kamen wir am Grenzfluß, dem Rio Usumacinta an, bestiegen ein Boot und fuhren so zu den ansonsten nur per Flugzeug erreichbaren Ruinen von Yaxchilan...
Als wir den ersten Schritt in den Dschungel setzten, kamen wir einhellig zu dem Schluß, daß es hier ganz offensichtlich von reißenden Bestien nur so wimmeln mußte, der Geräuschkulisse nach zu urteilen. Da hockte scheinbar hinter jedem Busch ein Puma und fauchte und brüllte sich die Seele aus dem Leib, mindestens! In Wirklichkeit waren es dann Brüllaffen, die ihrem Namen alle Ehre machten, und falls ihr Gebrüll mich verjagen hätte sollen, hätten sie das auch ohne weitere Schwierigkeiten geschafft, währe kein Guide dabeigewesen...
Wie gesagt, die Ruinen von Yaxchilan sind (Gott sei Dank) noch sehr unerschlossen und auch noch nicht besonders weit ausgegraben, trotzdem lebt dort in einem eigenen Haus mitten in der Wildnis ein Aufpasser mitsamt seiner Familie. Der gute Mann führte uns dann auch durch eine Welt, bei der man sich wie in Disneys Dschungelbuch vorkam... und in der man sich auch ganz schön schrecken konnte...
Auf einmal standen wir nämlich vor einem schwarzen Eingang in einen der Tempel und unser Führer meinte, da könnten wir ruhig hineinschauen, wenn wir wollten, er bliebe inzwischen heraußen. Klar wollten wir! Na und so gingen wir im Gänsemarsch durch stockdunkle, taschenlampenerleuchtete Gänge voller Fledermäuse, bis der vorderst plötlich eine RIESEN Spinne (sicher30x20cm) an der Wand entdeckte. Kurzfassung des Folgenden: Knips, Knips, Blitz, Blitz, Spinne bewegt sich plötzlich auf vordersten zu, der schreit, drängt zurück, der nächste schreit, drängt zurück, der dritte weiß gar nicht, weshalb er schreit, schreit aber trotzdem und drängt auch zurück. Felix, einer der Deutschen, der draußen geblieben war, erzählte uns später, plötzlich hätte man drinnen Schreie gehört, und dann währen wir der Reihe nach aus dem finsteren Tor herausgeschossen gekommen... Sachen gibts...
Als nächstes zeigte uns unser Guide dann noch eine unter ein Wurzel hockende Tarantel und erklärte, die könne 60cm hoch springen, sei aber nicht gefährlicher als ein Wespenstich... Ob ihn denn schon einmal eine gebissen habe? "Nein, um Gottes Willen, noch nie..." Und dann spazierten wir weiter und fühlten uns mit unseren Shorts gleich ein bißchen weniger wohl... Aber auch abgesehen von der spektakulären und einigermaßen ungewohnten Tierwelt war Yaxchilan ein Erlebnis: Herrliche Ornamente undin Stein geschnitzte Darstellungen von Priestern oder Kriegern oder Göttern, und das alles mitten im Dschungel, und ohne, daß ausßer uns jemand dabeiwar. Wenn man sich DA nicht wie ein Entdecker vorkommt...
In  Yaxchilan konnte man auch ahnen, wie die Menschen damals von den Priestern beeinflußt worden waren... Da waren auf den Dächern der Tempel so eine Art Taubenschläge, nur daß der Wind ungehindert durchpfeifen konnte. Und wenn dann der Sturm  heulte und dieser unheimliche Klang durch die ganze Stadt zog, war es ein leichtes die Menschen glauben zu machen, das seien die zürnenden Götter, welche ein neues Opfer verlangten. So zumindest die Erklärung unseres Guides... Und die Nachfahren der Mayas bringen noch heute zu bestimmten Daten im Jahr hier ihre Opfer, Menschenopfer sind allerdings nicht mehr dabei...
Nach so viel Hintergrundwissen wurden wir dann noch über Stock (Riesenwurzeln) und Stein (Trümmer noch völlig überwucherter Tempel) an den höchsten Punkt der Anlage gebracht, wo wir von hoher Luftfeuchtigkeit und nicht mal so geringer Hitze völlig verschwitzt ankamen... aber die Mühen waren nicht umsonst...
Von hier aus war es nämlich möglich, weit über das Blätterdach des Urwaldes nach Guatemala zu schauen... ein wirklich beeindruckender Anblick, der live einfach doch noch viel besser kommt, als in einer Dokumentation im Fernsehen...

Bei den Indianern...


Schließlich beendeten wir den Tag in einem kleinen Indianerdorf mitten im Urwald,... also Dorf, eigentlich war es nur eine Ansammlung von Strohhütten und auf einem Betonfundament unter einem Strohdach standen vier Zelte. Und es gab eine Satellitenschüssel, die uns von einer Art "Häuptling" voller Stolz gezeigt wurde. Schade war nur, daß die meisten der Indianer nicht fotographiert werden wollten, weil sie Angst hatten, dies würde  (könnte) sie eines Teiles ihrer Seele berauben...
Eigentlich war es ja recht gemütlich, wie die Indianer so im Urwald leben... Schlafen in der Hängematte, im Kühlschrank Bier, Satelliten TV, eigene Hühner (und ein ganz besonders schöner Hahn, der unbestrittene Chef in der Hackordnung), Mais, Ananas, Bananen und andere Früchte aus eigenem Anbau oder einfach so aus dem Urwald... Störend nur, daß es einmal am Tag unheimlich schüttet, jedenfalls meistens...
Eine andere, wie sich aber herusstellte ausgesprochen positive Überraschung erlebten wir, als wir fragten, wo man sich hier waschen kann. Die Antwort war eine unbestimmte Geste entlang eines Urwaldpfades, der erst durch den "Obst- und Gemüsegarten" und dann in den Wald selbst führte. DAS konnte nun ja wirklich fast alles bedeuten, aber mal nachsehen...
Na und dann standen wir vor einem wirklich wunderschönen Bach mitten im Urwald. Zwei kleine Wasserfälle ergossen sich in ein Becken, das nur so zum Baden einlud! Also rein ins Badegewand und ab ins Wasser! Irgendwie war das scheinbar genau das, was wir uns alle jetzt nach einem Tag voller Hitze und Schwitzen gewünscht hatten: kühles, kristallklares Wasser...
Fast schon kitschig wurde es dann, als wir feststellten, daß man auch hinter die Wasserfälle tauchen kann, wobei man dort zwar nichts besonderes fand, außer ein paar Steinen und Wurzeln, sich aber trotzdem wieder wie in einem Abenteuerfilm vorkam. Mitten im Dschungel hinter einem Wasserfall! Wahnsinn!
Als es dann endgültig finster wurde, machten wir noch einen Abendspaziergang, was sich allerdings nur als bedingt gute Idee herausstellte. Sicher, wir konnten unzählige, zum Teil riesige Schmetterlinge beobachten und dann war da noch eine Lichtung, die über und üner mit tausenden Glühwürmchen übersät war (DAS war wirklich ein unglaublicher Anblick, als ob sich sternenklarer Himmel in einem See spiegeln würde...), aber mit ihnen wurden auch andere, blutgierige Insekten wach... "Demasiados mosquitos...", zu viele Moskitos, hatte der Häuptling gesagt, bevor er sich in seine Hängematte verkroch... der gute Mann wußte, was er tat!
Später aber dann kamen noch mal alle heraus, wir saßen mit den Einheimischen beinander, radebrechten Spanisch und hatten ziemlichen Spaß dabei. Und dann kam die Nacht. Eine Nacht voller unheimlicher Geräusche, Rascheln zwischen den Zelten, Bellen der Hunde, dann ein Davonhuschen Richtung Urwald. Eine Nacht, in denen es den Moskitos irgendwie gelang, durch das Fliegennetz und durch meine Socken zu meinen Füßen vorzudringen. Morgens zählte ich dann über 20 kleine, Gott sei Dank nicht juckende, Stiche pro Fuß...

Seite zuletzt bearbeitet am  12.1.2000 von Christian