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Bonampak


Am nächsten Tag sollte es dann nach Bonampak gehen. Durch den Urwald. Zu Fuß. Unser indianischer Führer erwies sich dabei schon ganz von Anfang an als Scherzbold, als er vor dem Losgehen seine Schuhe anzog und dabei theatralisch einen ganz offensichtlich toten Skorpion daraus hervorschüttelte. Dann ging es los und solange es nur durch den Wald ging, war es ja noch überhaupt kein Problem... 
Dann aber kam der erste größere Urwaldbach... und da hieß es plötzlich drüberklettern... und zwar auf glitschigen, krummen, teilweise knapp unter dem Wasser liegenden Baumstämmen, die an günstigen Stellen umgefallen waren... Irgendwie schaffte ich es, nicht mitsamt meinem gesamten Fotozeug ins Wasser zu fallen (auch wenn ich zumindest einmal SEHR knapp davorstand...). Fast reingefallen wäre im Endeffekt nur unser Führer, der auf ganz besonder lässig tat, um uns degenerierte Städter zu beeindrucken. Na das wäre eine Freude gewesen... 
Was ist eigentlich so besonders an Bonampak? Ein weiterer Haufen Steine? Nicht mehr? Aber sicher doch! 1946 entdeckte man hier sensationell gut erhaltene Wandmalereien, die zwar mittlererweile schon etwas mehr verwittert, aber immer noch  ein großartiger Anblick sind. Lange Reihen prächtig gekleideter Mayas stehen da Seite an Seite und geben mir Rätsel auf, was sie da wohl gerade machen. Eine Art Prozession? Eine Gruppe von Adeligen, die ihrem Herrscher die Ehre erweist?
Wie auch immer... toll aussehen tun sie! Lästig waren bei der ganzen Angelegenheit nur die Aufpasser, welche die ganze Zeit rund um uns herumschlichen... No Flash ist ja noch irgendwie verständlich, vielleicht schädigt ja das grelle Licht irgendwie die Pigmente... Aber wenn man dann auch noch kein Stativ verwenden darf, klingt das doch stark nach Willkür. Vor allem, weil es ja hier keine Dias zu kaufen gab... Irgendwie gings dann trotzdem. Leicht verwackelt zwar, aber was solls...
Bemerkenswert waren an Bonampak auch noch die unheimlich fein angefertigten Stelen, welche außerhalb der bemalten Kammern standen. Auch sie entzogen sich für mich zwar jedem Interpretationsversuch, es war aber faszinierend festzustellen, daß zwischen den in Stein gehauenen Gesichtern und jenen der heutigen Indianer wirklich sehr starke Ähnlichkeiten  bestehen... Tja, und dann hieß es Abschied nehmen vom Urwald. Wir kehrten zum Indianerdorf zurück, badeten noch ein letztes Mal, und dann kam wieder ein VW-Bus, um uns abzuholen... Und was für ein VW-Bus! Auffällig war schon einmal ein Schußloch (nein, kein Steinschlag, die haben keine verkohlten Ränder...) mitten in der Frontscheibe...
"Zapatistas" meinte der Fahrer, die hätten schon mehrmals auf den Bus geschossen, passiert sei aber noch nie was. Na sehr beruhigend! Ach ja, der Fahrer! Erst blieb er plötzlich stehen, um sich in einer Hütte am Straßenrand EIN Bonbon zu kaufen (???), dann schlingerte der Wagen plötzlich so sonderbar, und das über Kilometer... und schließlich wechselten WIR den geplatzten Reifen, der das verursacht hatte.... Der fahrer konnte das nicht, hatte das noch nie getan und wäre halt so weitergefahren... Was soll man dazu noch sagen!!!

Uxmal


Nichts desto trotz sollte an diesem Tag noch einiges auf uns zukommen. Am späten Nachmittag kamen wir wieder in Palenque an, wo wirunsere Rucksäcke beim Reisebüro gelassen hatten, und einige Stunden später ging unser Bus nach Merida. Dazwischen war zwar Zeit zum Abendessen, aber keine Möglichkeit zum Duschen. Wir hatten ja kein Hotel mehr! Und so verabschiedeten wir uns dann von Corinna, Felix und den anderen (die reisten Richtung Guatemala weiter...) und kletterten, dreckig und verschwitzt wie wir waren, in den Nachtbus...
Als wir dann am nächsten Morgen 560 km später im sonnenversengten (ehrlich!) Merida ankamen, wollten wir eigentlich nur mehr ein Hotelzimmer mit Dusche (von der Nacht weiß ich nur mehr, daß ich irgendwanneinmal an irgendeiner Tankstelle mit höllischem Durst ausstieg und mir ein eiskaltes Mineralwasser kaufte... oh wie herrlich!!!). Das Wasser stank zwar penetrant nach Chlor, aber es war sooo guuut! Anschließend setzte ich mich im Innehhof des Hotels in den Schatten, um ein wenig zu zeichnen, während Bernhard im Zimmer lag und damit beschäftigt war, tot zu sein. Mit dem Zeichnen wars aber nicht lange was, weil ich wenige Minuten später damit beschäftigt war, auf eine heulende, völlig verzweifelte Mexikanerin einzureden, die von ihrem Freund betrogen worden war. Und das bei meinen Spanischkenntnissen!!! Keine der Standardsituationen aus dem Vorkurs I...
In Merida machten wir fürs erste Pause von alten Steinen. Da gab es einen (wenn auch betrügerisch teuren) Burger King (ich war nach dem Doppel Whopper sooo überessen...), ein Kino (wir sahen "Contracara"... "Face Off") und jeden Abend eine Fiesta auf dem Hauptplatz (fast ohne ausländische Touristen). Überhaupt konnte man sich hier temperaturbedingt nur in der Nacht bewegen. Naja, fast... Wir schafften es jedenfalls nicht, den vom Archäologen aus Palenque nque empfohlenen Tempel bei Sonnenaufgang zu besuchen. Dazu hätten wir um 5 aufstehen müssen, und das war gänzlich unmöglich. Zweimal hätten wir es versucht!
Was wir hingegen doch schafften, war ein Besuch der Ruinen von Uxmal, mit Chichen Itza und Tikal (in Guatemala) eine der bekanntesten Fundstätten auf Yucatan. Interessant ist dabei das folgende: Nachdem der ganz Yucatan auf einem Kalksteinfundament steht, gibt es hier keinen einzigen nennenswerten Fluß. Das in Kombination mit der großen Hitze hat (und hatte auch schon zur Zeit der Mayas) ständigen Wassermangel zur Folge.
Aus diesem Grund entstanden alle großen Mayastädte in der Nähe sogenannter Cenoten, wassergefüllter Einbrüche im Kalkstein, unseren alpinen Dolinen vergleichbar, die als heilig verehrt wurden. Und aus ebendiesem Grund entstand hier um den Regengott Chac ein bisweilen sehr blutiger Kult. Dieser wird übrigens im Maya-Barock als "elefantenartiges" Wesen mit markantem Rüssel dargestellt. Ja, ich weiß, dass es in Amerika keine Elefanten gibt, aber er sieht halt so aus...
Das für mich beeindruckendste Gebäude in Uxmal und die meiner Meinung nach schönste Pyramide in Mexico ist der Tempel des Magiers. Es ist schon ein Abenteuer, über die EXTREM steilen Stufen hinaufzuklettern, aber oben wird man dann durch wunderschöne Ornamente und eine großartige Aussicht belohnt. Von hier aus sieht man auch im umliegenden Urwald die Umrisse weiterer großer, aber eben noch nicht ausgegrabener Pyramiden.
In der Nähe des sogenannten Gouverneurspalastes entdeckt man dann einen fast griechisch anmutenden Säulengang, sowie natürlich unzählige Ornamente und Chac-Darstellungen. Teilweise mutet die Architektur antik, dann schon wieder fas modern an...
Eine etwas verblüffende Entdeckung machten wir schließlich auf dem Ballspielplatz. Etwa in Kopfhöhe war dort ein massiver Steinring in eine Mauer eingelassen, durch welchen die Spieler treffen mußten. Nur daß der Steinring nicht wirklich massiv war, sondern aus Plastik!
Es wäre uns ja gar nicht aufgefallen, wäre nicht an einer Stelle ein Loch im "massiven" Stein gewesen, das den Blick auf das hohle Innere freigab. Und auch zeigte, daß die dem Loch gegenüberliegende Seite ganz offensichtlich ebenfalls sehr dünn und leicht durchscheinend war... Betrug? Alles nur Show für die Touristen? Nein, nicht wirklich... Der ursprüngliche Stein war vor einigen Jahren gestohlen worden und der "gefälschte" war einfach nur eine möglichst originalgetreue Replik. Besser so, als gar nix...
Auch was die Tierwelt angeht, kann man in Uxmal durchaus interessantes sehen... und zwar nicht nur tote Taranteln, wie auf dem Bild hier, sondern vor allem auch für europäische Verhältnisse RIESIGE Echsen. Diese Iguanas sind auf Yucatan überhaupt recht verbreitet, aber wenn man das erste Mal eine "Eidechse" so groß wie ein Schäferhund vor sich sieht, schaut man halt doch...

Seite zuletzt bearbeitet am  12.1.2000 von Christian