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Chichen Itza


Nun sollte es Schlag auf Schlag gehen... als nächste Station stand nämmlich Chichen Itza, die wahrscheinlich belannteste Ausgrabungsstätte Mexicos überhaupt, auf dem Programm. Und das nicht genug, waren wir ja etwa zur Zeit der Sonnenwende in der Gegend, was bedeutete, daß wir ein ganz besonderes Schauspiel sehen würden. Die Hauptpyramide in Chichen Itza, el Castillo, ist dem Quetzalcoatl gewidmet, dem Gott, der als gefiederte Schlange dargestellt wird. Und eben diese Pyramide ist so ausgerichtet, daß zur Sonnenwende die Schatten so fallen, daß es aussieht, als würde eine Schlange seine Treppen herabkriechen. Das waren schon gewitzte Kerlchen, diese Mayas...
Aber alle Genialität hilft wenig bis nix, wenn einfach keine Sonne scheint, die Schatten werfen würde, sondern nur dicke Wolken diffuses Licht ausstrahlen... Was soll man da machen? Warten, natürlich... Und genau das taten wir dann auch, gemeinsam mit (ohne Übertreibung!) hunderten anderen Touristen auch... Und dann, plötzlich, kam die Sonne hervor...

 
Tja, und so wie das Bild links, sah das ganze dann aus... Nett vor allem, dass die Schlange sogar einen Kopf hatte, den man zuerst einfach als Stiegenabschluß gedeutet hatte. Nett, aber nicht umwerfend... Wir hatten jedenfalls unsere ganze Zeit damit verbracht, auf dieses Schauspiel zu warten und nicht viel von Chichen Itza gesehen...
Also beschlossen wir (das ist eben der Vorteil einer flexiblen Routenplanung) einfach noch einen Tage länger hierzubleiben und am nächsten morgen nochmals vorbeizuschauen. Und so standen wir bei Öffnung der Anlage am nächsten Morgen schon vor der Türe... eine GUTE Idee! Da hatten wir nämlich Chichen Itza fast für uns alleine... Die Touristenbusse aus Cancun kamen erst viel später an!
So wunderschön die alten Anlagen heute auch sind, ist es doch erschreckend, welche grausamen Riten einst mit ihnen verbunden waren. Da war es durchaus Gang und Gäbe, Gefangenen bei lebendigem Leibe das Herz herauszureißen und den Göttern zu opfern. Also genaugenommen wurde es dem Chac Mool, jenem gemütlich auf dem Rücken liegenden Kerlchen oberhalb, auf einem silbernen Tablett auf den Bauch gestellt. Und daß das alles nicht nur einfach Gschichtln sind, kann man Abbildungen der damaligen Zeit entnehmen, bzw. gibts da sogar einen ganzen Tempel, dessen gesamte Fassade voll ist mit Reliefen verschiedener Tiere. Niedlich, nur daß jedes einzelne von ihnen ein menschliches Herz frißt (siehe links)...
Außerdem gab es in Chichen Itza natürlich auch einen Ballspielplatz, wieder komplett mit Steinring, durch den man durchtreffen mußte. Der Ball wurde wiederum nur mit Schultern oder mit Ellenbogen gespielt... also nicht unbedingt die einfachste Aufgabe. Ich persönlich würde ja wahrscheinlich nicht einmal mit der Hand durchtreffen, also vielleicht schon nach mehreren Versuchen, aber auf keinen Fall, wenn die Alternative Opferung und Herz herausreißen wäre... das könnte ja dann doch etwas nervös machen... Etwas anderes, was in keiner Mayastadt fehlen darf, ist natürlich die heilige cenote, und in Chichen Itza, der größten Stadt der Mayas, gab es sogar gleich zwei Stück davon.
Und, es wundert einen ja nicht mehr wirklich, auch damit verbinden sich wieder grausame Geschichten. Tja was solls, wenn es nicht regnet, ist der Regengott offensichtlich sauer. Und wenn der Regengott verärgert ist, dann muß man ihn eben wieder gütig (oder zumindest weniger zornig, irgendwie habe ich das Gefühl, die Götter der Mayas waren niemals "gütig"...) stimmen. Wie bloß? Hmmm... probieren wirs doch einfach mit einem Menschenopfer, das schadet nie... Gesagt getan, warfen die Priester der Mayas doch tatsächlich Menschen (in diesem Fall, wenn ich mich recht erinnere Jungfrauen) in die Tiefe. man hat jedenfalls Knochen und auch Schmuckstücke unten gefunden. Unwahrscheinlich, daß die alle einfach nur Wasser holen wollten, und ausgerutscht sind...
Hatte es am Vorabend bei unserem Weg zurück zum Hotel noch fürchterlich geschüttet(so richtig ein Tropenguß, da blieb uns nur die Flucht in ein Lokal...), so lachte heute so richtig die Sonne und der Himmel war blauer als blau (WIR verstanden es uns scheinbar ziemlich gut mit Chac, und das ganz ohne Menschenopfer, einfach nur, weil wir so klasse Burschen sind...). Das ideale Wetter also, um eine weitere Attraktion von Chichen Itza ins rechte Licht zu rücken, die "Gruppe der tausend Säulen". Ich meine, ich hab sie nicht nachgezählt, aber einige dürften es schon sein. Und wenn man sich dann auch noch das alte Dach darüber vorstellt, kommt ein ganz schön ansehnliches Gebäude raus... Auch wenn sie ohne Dach und mit blauem Himmel fast noch malerischer aussehen...
Spätestens jetzt wurde uns langsam klar, daß Chichen Itza doch eine ziemlich weitläufige Anlage ist. Es ging nämlich immer weiter durch so eine Art Dschungel in Kleinausgabe (ganz Yucatan ist davon bedeckt... eigentlich nur Millionen besserer Sträucher und dazwischen ein paar Bäume, aber keine "Urwaldriesen"). Und in jeder Lichtung tauchte wieder irgend ein Tempel auf...
Oder aber ein Badhaus, oder eine Sauna, oder ein riesen Gebäude, von dessen wahrem Verwendungszweck man nichts mehr weiß, das aber als "Nonnenkloster" bezeichnet wird. Also ich denke, für den Geschmack von Nonnen hätten in dieser Gegend wohl ein bißchen zu viele Menschenopfer stattgefunden... Ach ja, und auf den Reliefs erkennt man immer wieder unseren "alten Freund" aus Uxmal, nämlich Chac in seiner "Elefantendarstellung" mit Rüssel. Rechts über der Türe zum Nonnenkloster befindet sich eine ganze Galerie dieser Dinger...
Ein weitere Gebäude in Chichen Itza verdient aber doch noch besondere Beachtung: das Observatorium. Wie bereits eingangs erwähnt, waren praktisch alle altertümlichen Einwohner von Mexico absolute Kalenderfanatiker. Und um ihren Kalender immer wieder aufs neue "eichen" zu können und bloß keinen Tag zu vergessen (wär schon peinlich, wenn die Welt einen Tag zu früh untergeht...), verwendeten sie besondere Tage im Jahr, eben zum Beispiel die Sonnwende.

 
Das Observatorium ist nun ein runder Bau mit runden, konzentrischen Gängen, schräg versetzten Türen und einer Steinsäule in der Mitte, wobei alles so angeordnet ist, daß nur zweimal im Jahr (nämlich zur Sonnwende) ein Lichtstrahl bis zur mittleren Säule fällt. Damit wußten sie also genau, welchen Tag sie gerade hatten! Genial! Trotzdem waren wir, nach dieser sich über den ganzen Vormittag und den frühen Nachmittag hinziehenden "Monsterbesichtigung" ziemlich geschafft...

 

Seite zuletzt bearbeitet am  12.1.2000 von Christian