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Der Norden


Ullapool, an der Nordwestküste von Schottland ist ein an und für sich nicht besonders markanter Ort, was die Stadt (oder eher das Dorf) angeht, und trotzdem strahlt es einen gewissen Reiz aus. Ich glaube ein Grund dafür ist die meistens sehr klare, reine Luft... ein anderer mag die malerische Lage an einem stillen Meeresarm sein. Vielleicht ist es aber auch die fröhliche Geschäftigkeit, die hier, zumindest verglichen mit anderen benachbarten Fischerorten, herrscht. Touristen gibt es einige... aber irgendwie stören sie hier nicht...
Nur wenige Kilometer nördlich von Ullapool liegt eine der großen (weil noch relativ unbekannten) Sehenswürdigkeiten Schottlands: die Vogelinsel Handa. Irgendwann zweigt eine einspurige Straße links von der Hauptroute nach Norden ab, und windet sich durch wildromantische Landschaft in Richtung Meer.
Unten befindet sich dann ein winziger Hafen mit einem größenmäßig sehr gut dazupassenden Ort, der eigentlich nur aus einem Fischrestaurant besteht... Und in dem Hafen legt je nach Bedarf ein kleines Motorboot an: die einzige Verbindung nach Handa, eine Passagierfähre. Schon die Überfahrt ist ja toll, auch wenn man 1999 sehr SEHR viele Quallen im Meer sah. Unglaublich große zum Teil! Quallen aber, die scheinbar nicht nesseln... am Strand bewarfen sich Kinder gegenseitig mit handtellergroßen Exemplaren... na danke!
Wir waren ja nach Handa gekommen, um vor allem Puffins (Papageientaucher) zu beobachten... zuerst kamen wir aber mal an einem herrlichen Strand an und wanderten über Dünen zu einer Art "Parkrangerhütte", wo wir uns eine Broschüre über die Insel besorgten, sowie ein paar gute Tips: Nicht zu nahe zu den Klippen gehen, erst letzte Woche wäre ein Tourist abgestürzt... 

Und falls Raubmöwen angreifen sollten (KEIN Scherz!)... einfach ruhig stehenbleiben! Die deuten nur an, für die ist das nur Training... Na und als wir dann so auf die Klippen zuwanderten stieß auf einmal wirklich eine riesige Raubmöwe auf meinen Bruder herab und strich ihm mit den Krallen sogar durch die Haare... naja, solang sie sich nicht verschätzt...
Schließlich kamen wir dann an dem Küstenabschnitt, wo sich die Puffins aufhalten sollten, an, einem frei im Meer stehenden Felsturm... vom Rest der Insel waren sie von einer Rattenplage vertrieben worden. Tja wir waren da, die Papageientaucher auch, sehen konnten wir sie trotzdem nicht... Nebel! Ausgerechnet hier stieg vom Meer dichter Dunst auf... Das darf doch nicht wahr sein! Wir lagen dann sicher eine Stunde auf der Lauer, um wenigstens einen kurzen Blick zu erhaschen...
Und das Warten zahlte sich aus! Tatsaechlich löste sich der Nebel auf und der Blich auf die Puffins war frei. Das sind ja wirklich ausgesprochen lustige kleine Kerlchen. Nester bauen sie ja in dem Sinn keine, sondern sie graben sich Erdhöhlen, und wenn man sie mit ihrne kleinen gedrungenen Körpern und knallig bunten, riesigen Schnäbeln rechtschaffen und neugierig herumwatscheln sieht, kann man sich irgendwie gar nicht vorstellen, daß diese Clowns auch fliegen können. Können sie aber natürlich, und sogar ziemlich flott!!! Es schaut wirklich halbrecherisch aus, wenn sie sich von ihren Nistplätzen in die Tiefe stürzen! Na und so wurden dann wieder einige Meter Film verschossen (bei uns allen zusammengenommen ist der Ausdruck "einige Meter" durchaus gerechtfertigt!)
Demgemäß am Ziel unserer Wünsche angelangt, marschierten wir schließlich weiter, kamen noch an wirklich gewaltigen Klippen und an tausenden andern Seevögeln vorbei und fuhren mit der Fähre wieder zurück... Ein anderer Punkt, an dem wir im Nordwesten immer wieder vorbeikamen, ist Ardvreck Castle. Zwar ist von dieser Burg nicht mehr viel übrig, aber die Ruinen liegen ausgesprochen romantisch inmitten rauher Landschaft auf einer in einen Loch hineinragenden Landzunge. Und wieder tolle Fotomotive!
Zum Abschluß unseres Aufenthaltes im "hohen Norden" hatten wir dann noch einmal Lust auf eine richtige Wanderung und wir beschlossen, den Stack Polly zu besteigen. Also zuerst wollten wir eigentlich gar nicht ganz rauf, weil er für uns als "Nicht-Kletterer" doch ein wenig bedrohlich aussah... Aber als wir dann am höchsten Punkt des Weges rundherum angekommen waren, bemerkten wir, daß es eigentlich nur mehr ein kleines und gar nicht mal so wildes Stück zum Gipfel war.
Na und problematisch war es dann wirklich überhaupt nicht, dafür wurden wir für unseren "Wagemut" mit einem grandiosen Ausblick belohnt... eine Frage blieb allerdings ungeklärt, nämlich welcher Teil des Berges der eigentliche Gipfel war...
Ein wenig schwieriger gestaltete sich dann schon der Abstieg, sprich die zweite Hälfte des Rundweges. Nicht gefährlich, nein, das nicht, nur daß halt kein eindeutiger Weg mehr zu finden war. Dafür befanden wir uns (wieder einmal, wie sollte es denn auch sonst sein) in einem Sumpf, bzw. zumindest auf einer SEHR feuchten, von Gebüschen überwucherten Wiese. Auch kein Problem mehr, für uns "alte Hasen", da hatten wir am Quiraing auf Skye schon bedeutend ärgeres erlebt! Wieder unten angekommen, waren wir dann aber doch alle verschwitzt und durstig, was aber hauptsächlich daran lag, daß es wieder einmal ein für Schottland untypisch heißer Tag war. Was also tun? Na klar! Baden gehen!
Unmittelbar am Fuße des Stack Polly befindet sich auch tatsächlich ein wunderschöner Loch, mit leicht moorigem, rötlich braunem, aber doch sehr, sehr klaren Wasser. Eine ausgesprochene Wohltat! Und dann noch in DER Kulisse in einem einsamen See schwimmen... was will man mehr! Dennoch hat alles mal sein Ende, und so ging es zurück in südlicher Gefilde, zu unserem nächsten Quartier, etwas östlich von Inverness.

 


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Seite zuletzt bearbeitet am 28.3.2000 von Christian